Franz Wilhelm Junghuhn.html

 
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Franz Wilhelm Junghuhn
Junghuhns Forschungsgebiete

Franz Wilhelm Junghuhn (* 26. Oktober 1809 in Mansfeld, damals im Königreich Westfalen, heute im Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt; † 24. April 1864 in Lembang auf Java) war ein deutscher Arzt, Geologe und Botaniker.

Seine bedeutendsten Leistungen waren die erste vollständige geografische, geologische und botanische Beschreibung des wichtigsten Kolonialgebietes der Niederländer, der Insel Java, die erste zuverlässige topografisch-geologische Karte dieser Insel und die Entdeckung und Kartierung der südlichen Batakländer auf Sumatra. Nach Meinung des Geographen Oscar Ferdinand Peschel gehört Junghuhn „zu den Zierden deutscher Wissenschaft“ neben Alexander von Humboldt und Leopold von Buch.[1] Karl Helbig hat Junghuhn als „größten deutschen Forscher auf malaiischem Boden“ bezeichnet.[2]

Junghuhns offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Jungh.“. Jahrzehntelang waren niederländische und deutsche Botaniker mit der Bearbeitung und Auswertung seiner Herbarien beschäftigt.

Inhaltsverzeichnis

Bearbeiten Leben

Bearbeiten Jugend- und Studentenzeit, Festungshaft und Flucht

Junghuhns schon im Kindesalter vorhandene Zuneigung zur Natur wurde in seinem kleinbürgerlichen Elternhaus unterdrückt. Auf strikte Anordnung seines Vaters, eines undiplomierten „Bergchirurgus“, begab sich der kaum 16-Jährige im September 1825 nach Halle zum Studium der Medizin, wo er jedoch wegen zu jungen Alters zunächst abgewiesen wurde. Erst im April 1826 wurde er vorläufig und im Juli 1827 endgültig eingeschrieben. Unter dem Einfluss seines Jugendfreundes Hermann Burmeister vernachlässigte er jedoch sein Medizinstudium, widmete sich den heimischen Pilzen und schrieb darüber eine wissenschaftliche Abhandlung, die 1830 in der Linnaea veröffentlicht wurde. Dies führte zu einem Bruch mit seinem Vater und zum Verlust seiner finanziellen Zuwendungen. In seiner Not verkaufte er seine persönliche Habe, darunter auch seine über alles geschätzte Büchersammlung, und verdiente sich seinen Unterhalt mit Gelegenheitsarbeiten. Erst nach einem Selbstmordversuch, den er im Frühjahr 1830 in einem Kellergewölbe des Mansfelder Schlosses beging und mit schweren Kopfverletzungen überstand, nahm ihn sein Vater bis zu seiner Genesung wieder auf.

Von Ostern 1830 bis Ostern 1833 war Junghuhn als Medizinstudent in Berlin eingeschrieben. Ein verhängnisvolles Ereignis führte zu einem Abbruch des Studiums: In einer Berliner Restauration kam es zu einer gegenseitigen Beschimpfung mit einem schweizerischen Studenten namens Schwoerer, die am 1. September 1830 in einem Pistolenduell gipfelte. Junghuhn erhielt einen Schuss durch den linken Oberschenkel, Schwoerer dagegen blieb unverletzt.[3].

Diese Ehrenhandlung war seinerzeit ein schweres Vergehen. Das Königlich-Nassauische Ober-Kriminalgericht verurteilte Junghuhn zu zehn Jahren Haft. Der Strafvollzug wurde jedoch vorerst aufgeschoben, da seine Stationierung als Sanitäter in einer im Hunsrück stationierten Feldbatterie beschlossen war. Nachdem er neun Monate lang, vom April bis Dezember 1831, seinen Dienst in Simmern und Laubach geleistet hatte, hoffte er, dass ihm die Haftstrafe erlassen wird. Am ersten Weihnachtstag 1831 erhielt jedoch sein Kommandant Befehl, ihn festzunehmen und in die Festung Ehrenbreitstein zu überführen.

Zeitgenössische Ansicht von Koblenz mit der Festung Ehrenbreitstein.

Am 1. Januar 1832 wurde Junghuhn in das dortige Militärgefängnis eingeliefert. Nach über zwölf Monaten Gefangenschaft simulierte er ein Brustleiden, worauf er am 20. Januar 1833 in das Koblenzer Garnisonslazarett überführt wurde. Seine Rückverlegung nach Ehrenbreitstein, die im Juli erfolgen sollte, konnte er durch Simulierung einer Geisteskrankheit verhindern.

In der Nacht vom 13. zum 14. September 1833 floh Junghuhn aus dem Lazarett. Über Trier eilte er nach Luxemburg, und am 22. September passierte er die französische Grenze. In Toulon meldete er sich als Arzt bei der Fremdenlegion, wurde aber nur als Soldat rekrutiert. Von Januar bis Juni 1834 war er in Algerien stationiert; danach wurde er vorzeitig wegen Dienstuntauglichkeit entlassen.

Ende Juli 1834 kam Junghuhn nach Paris. Als Antwort auf ein Immediatsgesuch erfuhr er von der dortigen Preußischen Gesandtschaft, dass er längst begnadigt war. Der Gnadenerlass war bereits am 14. September 1833 erteilt worden, wenige Stunden nach seiner Flucht aus dem Koblenzer Lazarett.

Richtungsweisend für Junghuhns Forscherlaufbahn war die Begegnung mit dem niederländischen Mykologen Christian Hendrik Persoon, den er in Paris vor Antritt seiner Heimreise aufsuchte: Persoon riet ihm, die Pflanzenwelt des Indischen Archipels zu erforschen - ein Unterfangen, das Junghuhn den größten Teil seines Lebens in Anspruch nehmen sollte.

Die Begebenheiten und Beobachtungen von seiner Festnahme und Gefangenschaft bis zu seiner Rückkehr in sein Heimatland schrieb Junghuhn 1834 in seinem Bericht „Reise nach Afrika“ nieder, der erst 1909 mit dem Titel „Flucht nach Afrika“ veröffentlicht worden ist.[4]

Bearbeiten Erster Aufenthalt in Niederländisch-Ostindien

Bearbeiten Java

Batavia im Jahre 1846. Hafenanlagen existierten noch nicht; die Schiffe mussten auf offener Reede vor Anker gehen. Boote brachten Passagiere und Waren zu einem Landungsplatz in einer Flußmündung.
Zeitgenössische Ansicht der Reede von Batavia
Zeitgenössische Ansicht des Landungsplatzes in Batavia

Für den mittellosen Junghuhn war Niederländisch-Ostindien nur mit einer Anstellung bei der dortigen Armee zu erreichen. Nach erfolgreicher Absolvierung eines medizinischen Examens am 27. Dezember 1834 in Utrecht erhielt er am 12. Januar 1835 eine feste Anstellung als Sanitätsoffizier dritter Klasse. Am 30. Juni 1835 ging der Dreimaster „Jacob Cats“ nach Java ab, und am Morgen des 13. Oktober 1835 betrat Junghuhn den Landungsplatz in Batavia, dem heutigen Jakarta. Erst 13 Jahre später kehrte er – wenn auch nur vorübergehend – zur Wiederherstellung seiner Gesundheit nach Europa zurück.

Junghuhn leistete zunächst seinen Dienst als Arzt in den Militärhospitälern von Batavia und Semarang ab. Dass er in jeder freien Stunde botanisierte, die Berge in der erreichbaren Umgebung erstieg und seine Beobachtungen in Bild und Wort festhielt, erregte jedoch bald den Unwillen von Vorgesetzten und Kollegen und trug ihm zahlreiche Beschwerden wegen Pflichtversäumnis ein.

1836 wurde er nach Jogjakarta versetzt. Nachdem er das wegen seiner zahlreichen Kegelberge „Gunung Sewu“ („Tausend Hügel“) genannte Karstgebiet an der Südküste Javas besucht hatte, begann er im September mit seinen grundlegenden Untersuchungen des tätigen Vulkans Merapi. Mehrmals erstieg er diesen fast 3000 m hohen Berg und dokumentierte ihn in Wort und Bild bis in die kleinsten Einzelheiten. Die Höhen maß er mit einem selbst konstruierten Barometer, bestehend aus einem Bambusrohr und einer passend kalibrierten Glasröhre, das unterwegs beständig senkrecht gehalten werden musste. Er erzielte damit eine erstaunliche Genauigkeit.

1837 wurde er dem deutschen Arzt Ernst Albert Fritze unterstellt. Dieser war Chef des Gesundheitswesens von Niederländisch-Indien und – als Leiter des Naturhistorischen Museums der „Bataviaasch Genootschap“ – selbst naturbegeistert. Fritze erkannte Junghuhns Neigungen und Fähigkeiten und nahm ihn als Adjutant auf zwei Inspektionsreisen mit. Die erste, vom 11. Juli bis zum 23. August 1837, führte durch West-Java. Der Patuha, der Tangkubanperahu, der Guntur, der Papandajan und andere Vulkane wurden bestiegen und vulkanische Erscheinungen erforscht. Die zweite, vom 12. April bis zum 15. August 1838, ging durch Mittel- und Ostjava. Der Lawu, der Sumbing, der Sindoro, der Wilis, das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Bromo und Schlammvulkane bei Surabaja wurden untersucht.[5] Junghuhn beschäftigte sich vornehmlich botanisch, Fritze befasste sich mit der Geologie, sammelte Gesteine und berechnete die Höhen.

Nach Beendigung dieser Reisen bemühte sich Fritze darum, Junghuhn die Möglichkeit zu schaffen, ohne seine Begleitung weiterhin Naturforschung betreiben zu können. Seiner Empfehlung verdankte Junghuhn einen Auftrag der Naturkundlichen Kommission, naturwissenschaftliche Untersuchungen in Westjava durchzuführen. Daraufhin besuchte Junghuhn mehrmals das Vulkanmassiv Gede-Pangrango südöstlich der Stadt Bogor (damals Buitenzorg). Die dabei gewonnenen vielseitigen Beobachtungen hielt er im letzten Abschnitt seines Werks „Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java“ fest.

Bearbeiten Sumatra

Zeitgenössische Ansicht der Reede von Padang
Die Westküste von Sumatra in der Abendsonne. Nach einer kolorierten Lithographie von 1843.
Der „Eingang in die Battaländer“: Ausschnitt aus Junghuhns Karte der Tapanuli–Bai. Die Küstenlinie wurde mit einem hellblauen Rand hervorgehoben. Die Insel Pontjang kitjil ist durch einen roten Pfeil gekennzeichnet.
Das Fort auf der Insel Pontjang kitjil, Hauptniederlassung der nördlichsten Gouvernementsbesitzungen und Ausgangspunkt für die Reise in die Battaländer. - Entnommen aus „Der Malayische Archipel“ von Hermann von Rosenberg.
Der von Junghuhn am 7. November 1840 erstiegene erloschene Vulkan „Lubu Radja“. Dieses zeitgenössische Bild zeigt eindrucksvoll die Unberührtheit und Unwegsamkeit der Battaländer. – Entnommen aus „Der Malayische Archipel“ von Hermann von Rosenberg.

Der Tod seines Vorgesetzten und Gönners Dr. Fritze im Mai 1839 war für Junghuhn ein schmerzlicher Verlust. Noch immer stand er als Sanitätsoffizier in militärischen Diensten. Sein Wunsch nach einer Fortsetzung seiner Tätigkeit bei der Naturkundlichen Kommission wurde abgelehnt. Am 3. Januar 1840, entgegen seinen Neigungen, absolvierte er in Batavia das Examen zum „Chirurgus Zweiter Klasse“. Ein Urlaub, den Junghuhn aus gesundheitlichen Gründen vom 1. März bis 3. April erhalten hatte, nutzte er zur Erforschung des Diëng–Plateaus in Mitteljava. Nach Batavia wieder zurückbeordert, wurde er im Juli 1840 zum Sanitätsdienst in Padang an der Westküste Sumatras abkommandiert.

Die folgende Begebenheit war nicht nur für Junghuhn selbst, sondern vor allem für die geographische Wissenschaft von Nutzen. Wegen Krankheit versäumte er die Überfahrt nach Padang. Auf dem nächsten Schiff begegnete er Pieter Merkus, der als Regierungskommissar nach Sumatra unterwegs war, um die Verwaltung der Niederlassungen an der Westküste zu organisieren; zwei Jahre später wurde er zum Generalgouverneur von Niederländisch–Ostindien ernannt. Von Merkus erhielt Junghuhn den gefahrvollen Auftrag, die unbekannten Länder der Battas (Batak) zu erforschen. Dankbar nahm Junghuhn diesen Auftrag an, war er doch damit von Sanitätsdiensten befreit. Als Assistent wurde ihm der Naturwissenschaftler Hermann von Rosenberg zugeteilt.

Der direkte Zugang durch das Hinterland von Padang war den beiden Forschern wegen eines zuvor unterdrückten Aufstands verwehrt.[6] Daraufhin fuhren sie entlang der Westküste Sumatras auf einem englischen Kauffahrersegler nach Norden. Am 2. Oktober 1840 lief das Schiff in die Bucht von Tapanuli ein und ankerte vor einen holländischen Außenposten, der aus strategischen Gründen auf einer vorgelagerten Insel errichtet worden war. Hier trafen sie ihre letzten Vorbereitungen. [7]

Wenige Tage nach ihrem Aufbruch in das urwaldüberzogene Westsumatra, am 14. Oktober, verirrte sich Hermann von Rosenberg bei einem Jagdausflug, konnte jedoch von Junghuhn gerettet werden. Als Folge dieses für ihn schockierenden Ereignisses bekam von Rosenberg einen so heftigen Fieberanfall, dass er die Begleitung und Assistierung Junghuhns quittieren musste.[8]

Auf sich allein gestellt, setzte Junghuhn seine Forschungen in den südlichen Battaländern fort. Die Durchdringung und Vermessung dieser unerschlossenen Gebiete stellte höchste Anforderungen an seine physische und psychische Leistungsfähigkeit. Bedrohungen durch misstrauische Einheimische, die wenige Jahre vor Beginn seiner Forschungen von kriegerischen Malaien heimgesucht worden waren, behinderten Junghuhn bei seinen Arbeiten erheblich und vereitelten ein weiteres Vordringen nach Norden.

Welche Hindernisse sich Junghuhn auf seinen Reisen entgegenstellten, geht aus seinen folgenden Worten hervor:

„In Tobah, wo es weite, völlig flache Räume gibt, wurde mir das Abmessen von Standlinien unter Drohungen verweigert, weil man dies für eine Landesaufnahme für anzulegende Festungen hielt ! – Aus ähnlichen Gründen konnte ich in Hurung meine Beobachtungen nur aus dem Gebüsch, versteckt und heimlich machen, – in Silindong wurde mir das Messen von Sonnenhöhen in einem künstlichen Horizont bestimmt untersagt, weil dies pure Zauberei sei; ich wurde dringend gebeten, meinen Sextanten ein– und mich selbst aus dem Lande zu packen. – Dazu kommt die gebirgige Unwegsamkeit des Landes; man kann keinen Schritt weit anders, als zu Fuss kommen; – in einem Tage muss man zuweilen 30 bis 40 Bäche, wovon einige (in der Thalsohle ausgetretene) sehr warm, und andere gleich darauf (dicht am Bergfusse fliessend) eiskalt sind, durchwaten und, wenn man bis an die Achseln im Wasser steht, seine Instrumente über dem Kopf emporhalten. – In den Wäldern ist man über Tag von kleinen Springblutegeln geplagt, die sich zu 20–30 an alle Theile des Körpers zugleich ansaugen und durch die Fusskleider hindurchstechend schmerzhafte Geschwüre erregen, und des Nachts von Moskiten. Endlich muss man bei allem diesen noch stets Sorge auf persönliche Sicherheit verwenden, und selbst des Nachts in Hütten, wo man ein hartes Lager mit etwas Mais und Bataten findet, wenigstens sechs Gewehre geladen und mit seinen Bedienten abwechselnd Wache halten, um die Eingebornen durch Furcht zu verscheuchen …“

Junghuhn, 1847 [9]

Zunächst wählte Junghuhn in diesem unbekannten Gelände zwei markante Hauptpunkte, ermittelte deren geographische Lage durch astronomische Breiten- und Azimutbestimmungen und errechnete daraus ihren Abstand, auf das heutige Maßsystem umgerechnet, auf 14,3 Kilometer. Auf dieser Basis schuf Junghuhn durch Winkelmessungen und Polhöhenbestimmungen ein geodätisches Vermessungsnetz. Mit dieser Leistung, die nach Montigel zu „den größten Taten menschlicher Willenskraft“ gerechnet werden muss,[10] hat Junghuhn sich das Verdienst erworben, die erste Triangulation in Niederländisch-Ostindien ausgeführt zu haben. Bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass diese vermessungstechnische Pionierleistung nicht auf der wesentlich besser erschlossenen Insel Java, sondern unter ungleich schwierigeren Bedingungen in den urwaldüberzogenen Gebirgen Westsumatras erbracht worden ist. Erst 50 Jahre später gelang es der Niederländischen Kolonialregierung, dieses schwer zugängliche Gebiet zu unterwerfen.

Die nachfolgenden Kartenausschnitte, die auf den annähernd gleichen Maßstab gebracht worden sind und annähernd das gleiche Gebiet darstellen, sollen die geografisch-topografischen Fortschritte veranschaulichen, die von Junghuhn in den Battaländern erzielt worden sind. Zum Vergleich wurde eine Übersichtskarte aus den 1930er Jahren hinzugefügt, die noch immer den heutigen Wissensstand zeigt.

Die beste Karte von Sumatra vor Junghuhns Erkundungen ist diejenige des englischen Historikers und Orientalisten William Marsden, der als Sekretär im seinerzeit britischen Bencoolen, dem heutigen Bengkulu, an der Westküste stationiert war. Acht Jahre lang sammelte Marsden alle mündlichen und schriftlichen Nachrichten über Sumatra und fasste sie zusammen in seiner Monografie „The History of Sumatra“. Der unten abgebildete Ausschnitt wurde von jener Karte abgelichtet, die sich in der 1811 erschienenen maßgeblichen dritten Auflage dieses Werkes befindet. Auf dieser Karte sind die Bergketten so dargestellt, wie sie vom Schiff aus beim Passieren der Westküste gesehen werden konnten; die dahinter eingezeichneten Ketten entstammen der Phantasie.

Demgegenüber enthält die „General-Karte vom mittleren Sumatra“ in Junghuhns Werk „Die Battaländer“ eine Fülle von neuen Erkenntnissen. „Es war ein mühseliges Werk, mit primitiven Hilfsmitteln dieselbe herzustellen; sie ist für die damalige Zeit eine wesentliche Verbesserung des Bekannten und gibt zum ersten Mal über breite Strecken unbekannten Landes ein zutreffendes Bild“ (Wilhelm Volz).[11] Wegbereitend für spätere Reisende, sowohl für die Wienerin Ida Pfeiffer als auch für die ersten Missionare, von denen einige ihr Vordringen mit dem Leben bezahlen mussten, war die Darstellung des Paralleltals „Mandaheling“, dessen nördliche Fortsetzung „Nieder-Ankola“ vom erloschenen Vulkan „Lubu Raja“ abgeschlossen wird.[12] Darüber hinaus enthält diese Karte die früheste Darstellung des Tobasees, wenn auch nur andeutungsweise nach Berichten von Einheimischen, von Junghuhn „Eik Daho“ beziehungsweise „Laut Sinkara“ genannt. Erst 1853 wurde dieser See von dem niederländischen Sprachgelehrten Herman Neubronner van der Tuuk entdeckt.[13]

Alle Karten können in gleich hoher Auflösung betrachtet werden, wobei die Karte von Marsden in der höchsten Auflösung wegen starker Vergrößerung sehr grob erscheint. Die Junghuhnsche Karte ist dagegen so fein gestochen, dass sie nur in einer noch höheren Auflösung lesbar ist.

Junghuhns „Generalkarte vom mittleren Sumatra“ in höherer Auflösung

Auf dem gleichen Seeweg, den Junghuhn für die Hinreise wählte, verließ er am 10. März 1842 an Bord eines Kauffahrerseglers die Bucht von Tapanuli und kehrte am 18. März 1842 nach Padang zurück. Bis zum 10. Juni wurde er in Padang beurlaubt, um sich von den Strapazen in den Battaländern zu erholen. Am 11. Juni begab er sich an Bord des Dampfschiffes „Nula“, das fünf Tage später auf der Reede von Batavia vor Anker ging.

Bearbeiten Java

Bis August 1844 war Junghuhn im Auftrag der niederländisch-indischen Regierung mit der topographischen Aufnahme Westjavas, danach mit derjenigen Ostjavas tätig. Als Grundlage für seine Landesaufnahme benutzte er zwei durch astronomische Ortsbestimmungen festgelegte Punkte an der Nordküste Javas. Ausgerüstet mit einer Bussole und einem Sextanten, den er später durch einen Bussolentheodolit [14] ersetzte, peilte er insbesondere von den Gipfeln der Vulkane alle erkennbaren Punkte an.[15]

Der Zusammenbruch der Vereinigten Ostindischen Kompagnie im Jahre 1798 lenkte die Aufmerksamkeit der Engländer auf Niederländisch-Ostindien, und nachdem bereits 1800 eine englische Flotte drei Monate lang den Hafen von Batavia blockierte und 1807 die holländische Seemacht bei Surabaja vernichtet wurde, befahl im Jahre 1808 der niederländische Marschall Herman Willem Daendels aus strategischen Gründen die schnellstmögliche Anfertigung einer Übersichtskarte von Java. Erst 1812, nachdem die Insel für kurze Zeit in den Besitz der East India Company überging, wurde diese Karte von Thomas Stamford Raffles zu Ende geführt und 1817 in seinem Werk „The History of Java“ veröffentlicht. Durch das Fehlen einer trigonometrischen Grundlage war diese Karte jedoch sehr ungenau. Erst die Karte des amerikanischen Naturforschers Thomas Horsfield brachte eine Verbesserung; sie wurde unter Verwendung der Längs- und Querprofile in Junghuhns 1845 erschienenem Werk „Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java“ gezeichnet.

Vor diesem Hintergrund ist es keine Übertreibung, Junghuhns Ergebnisse als bahnbrechend zu werten. Durch seine Aufnahmen wurden die topograpisch-orographischen Kenntnisse Javas auf eine neue Grundlage gestellt. Die nachfolgend wiedergegebene Darstellung des Diëng-Plateaus zeigt, mit welcher Sorgfalt er seine Ergebnisse in Karte gebracht hat.


Junghuhns Karte des Diëng-Plateaus


Hinzu kamen die seinerzeit für tropische Gebiete ungewöhnlich präzisen Detailaufnahmen von Vulkangipfeln und Bergmassiven. Die nachfolgenden Kartenausschnitte zeigen zwei Beispiele: Das Tengger-Gebirge mit dem aktiven Vulkan Bromo und das Vulkanmassiv Gede–Pangrango mit dem ebenfalls aktiven Gede. Zum Vergleich wurden Karten der 1920er Jahre beigefügt, die auf der Grundlage von Geländeaufnahmen des Topographischen Dienstes gefertigt worden sind.

Getrieben von seinem Wunsch, seine militärische Laufbahn zu beenden und als Naturforscher angestellt zu werden, veröffentlichte Junghuhn in den Jahren 1843 und 1844 in rascher Folge zahlreiche Monographien javanischer Vulkane. Diese Abhandlungen, die eine Fülle von neuen Erkenntnissen enthielten, trugen entscheidend dazu bei, dass binnen kurzer Zeit seine Fähigkeiten als Naturbeobachter bis in die höchsten Regierungsstellen bekannt geworden sind. Als einer der ersten trat Pieter Merkus auf den Plan, der Junghuhn im Jahre 1840 mit der Erforschung der Battaländer beauftragt hatte. 1843 zum Generalgouverneur ernannt, bewilligte er mit Erlass vom 17. Januar 1844 eine Summe von 6000 Gulden für die Veröffentlichung der Resultate der von ihm beauftragten Forschungen auf Sumatra. Unerwartet verstarb jedoch Merkus am 2. August, worauf von seinem Nachfolger dieser Posten wieder eingezogen wurde.[16] Darüber hinaus erinnerte man sich voller Anerkennung einer bereits 1841 erschienenen Arbeit, in welcher Junghuhn die höher gelegenen Landstriche Javas mit ihrem gemäßigten Klima als Erholungsorte für unter tropischer Hitze leidende Europäer empfohlen hatte.

Kurze Zeit später ging Junghuhns Wunsch in Erfüllung. Am 2. November 1844 ermächtigte Jean Chrétien Baud, Minister der Kolonien in Den Haag, den Niederländisch-Indischen Generalgouverneur, ihn als Mitglied in die Naturkundliche Kommission aufzunehmen. Am 5. Mai 1845 wurde Junghuhn ehrenvoll aus dem Militärdienst entlassen und als Wissenschaftler bei der Naturkundlichen Kommission angestellt. Damit war Junghuhn, erst 36 Jahre alt, die ihm vom Vater einst aufgezwungene medizinische Laufbahn los.

Schroff im persönlichen Umgang und polemisch in seinen Veröffentlichungen, soweit sie personenbezogene Themen betrafen, schuf sich Junghuhn viele Feinde. Obgleich überzeugter Anhänger des Kolonialsystems, kritisierte er dessen Missstände mit oft beißendem Spott. Einen Höhepunkt in der daraus entstandenen Kette von Konflikten, die fast ohne Unterbrechung bis zum Ende seines Lebens verfolgt werden kann, war ein Zerwürfnis mit der Kolonialregierung im Jahre 1845: In einem Augenzeugenbericht über ein Tigergefecht erlaubte sich Junghuhn unziemliche Bemerkungen über den Sultan von Solo, mit dem man, um Aufstände zu verhindern, einen diplomatischen Umgang pflegen musste. Junghuhn wurde eine ernsthafte Rüge erteilt: Sollte er sich noch einmal in ähnlicher Weise äußern, würde er entlassen und des Landes verwiesen werden.

Nicht stattgefunden hat die von vielen Biographen geschilderte Audienz beim Generalgouverneur Rochussen, zu der Junghuhn aus diesem Anlass geladen worden sein soll. Die Hauptpersonen dieses Konflikts waren vielmehr van Hoëvell als Herausgeber, C. Visscher als niederländisch-indischer Generalsekretär und der kommissarisch als Generalgouverneur amtierende Jan Cornelis Reijnst. Van Hoëvell kam 1836 nach Java und stellte mit Bedauern fest, dass auf literarischem Gebiet in 200-jähriger Kolonialherrschaft so gut wie nichts geleistet worden war. Noch immer existierte kein Buchhandel, und die einzig vorhandene Zeitschrift war der „Javabode“, das offizielle Organ der Kolonialregierung. Überzeugt, dass in der Kolonie bei den europäischen Bewohnern ein Bildungsrückstand eingetreten war, ersuchte er die Regierung um Genehmigung, eine naturwissenschaftliche Zeitung herauszugeben. Die Erlaubnis mit der Auflage, keinerlei Kritik an der Regierung zu üben, war die Geburtsstunde der 1838 gegründeten „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“.

Im August 1844 trat Junghuhn eine Forschungsreise nach Ostjava an. Seine Beobachtungen und Resultate schrieb er in zwölf Fortsetzungen unter dem Titel „Schetsen, ontworpen op eene nieuwe reis over Java, voor topografische en natuurkundige navorschingen“ nieder. Im Jahr darauf begann van Hoëvell, diese „Skizzen“ in der „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“ zu veröffentlichen. Bereits mit seiner zweiten Skizze lieferte Junghuhn einen folgenschweren Konfliktstoff: Seine Bemerkungen über den Regenten von Bandung hielt van Hoëvell für so bedenklich, dass er dieselben zur Prüfung und Beurteilung an Visscher sandte. Visscher konfiszierte unverzüglich Junghuhns Bemerkungen und stellte van Hoëvells Eignung als Herausgeber in Frage.

Mit dem Ziel, die „Tijdschrift voor Neêrlands Indië“ verbieten zu lassen, studierte Visscher aufmerksam die in rascher Folge erschienenen Fortsetzungen Junghuhns. In der zehnten Skizze fand er endlich dasjenige Material, das ihm für ein Verbot als geeignet erschien: Junghuhns Beschreibung des Hofstaats von Solo. Am 20. Juni 1845, drei Wochen nach Junghuhns Aufnahme in die Naturkundliche Kommission, legte er diese Beschreibung dem kommissarisch amtierenden Generalgouverneur vor. Daraufhin wurde mit Erlass vom 4. Juli 1845 van Hoëvell unter Kuratel gestellt und Junghuhn eine schriftliche Verwarnung erteilt.[17]

Am 30. September 1845 trat Jan Jacob Rochussen sein Amt als Generalgouverneur an. Auf Ersuchen van Hoëvells veranlasste Rochussen die Rücknahme des Erlasses vom 4. Juli. Junghuhn selbst blieb von diesen Ereignissen weitgehend unberührt: Erst im Dezember 1845 kehrte er von seinen Reisen in Ostjava zurück. Kurz darauf erhielt er von Rochussen den Auftrag, auf Java nach abbauwürdigen Kohlenfeldern zu suchen. Damit wurde er in die Lage versetzt, mit bestmöglicher Unterstützung Java in geologischer, botanischer und paläontologischer Hinsicht zu erforschen. Die Ergebnisse dieser Erkundungen hielt er im dritten Band seines Java-Werks fest.

Bearbeiten Genesungsaufenthalt in Holland

Gesundheitlich geschwächt durch seine strapazenreichen Exkursionen, reiste Junghuhn im August 1848 mit der sogenannten „Englischen Überlandpost“[18] zu einem Genesungsurlaub nach Europa. Aus seinen handschriftlichen Notizen über den Verlauf dieser Reise geht hervor, dass er zunächst in seine Heimatstadt Mansfeld fuhr. Von seinen Eltern war nur noch seine Mutter am Leben; sein Vater war 1844 verstorben.

Seinen Wohnsitz nahm Junghuhn im niederländischen Leiden, das mit seiner Universität nebst reichhaltiger Bibliothek, seinem Botanischen Garten und seiner Pflanzensammlung „Rijksherbarium“ für ihn die besten Arbeitsmöglichkeiten bot. Hier konnte er einen Teil seiner in Java gesammelten Pflanzen mehreren Botanikern zur Auswertung übergeben. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Bearbeitungen seiner Herbarien wurden ab 1851 unter dem Titel „Plantae Junghuhnianae“ und ab 1908 unter dem Titel „Plantae Junghuhnianae Ineditae“ veröffentlicht.

Junghuhn selbst wertete seine eigenen Aufzeichnungen über Java aus. Das Resultat ist sein Hauptwerk, „das eigentliche Werk seines Lebens“[19], das in der ersten Ausgabe ab 1849 mit dem Titel „Java, deszelfs gedaante, bekleeding en inwendige struktuur“, als zweite, wesentlich verbesserte Ausgabe 1850–54 mit dem Titel „Java, zijne gedaante, zijn plantentooi en inwendige bouw“ erschien. Fast gleichzeitig mit der als maßgeblich geltenden zweiten Ausgabe und auf dessen Grundlage folgte 1852–54 die deutsche Übersetzung „Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart.“ Den Druck des zweiten Abschnittes im ersten Band dieses Werkes, der den Landschafts– und Vegetationscharakter Javas beschreibt, schob Junghuhn bis zuletzt hinaus, um die bis dahin erfolgten Pflanzenbestimmungen der Leidener Botaniker einarbeiten zu können. Aus dem Vorwort der deutschen Ausgabe geht hervor, dass die separate Herausgabe dieses Werkes verhindert werden sollte. Junghuhn wurde zugemutet, dasselbe in den „Verhandelingen over de Natuurlijke Geschiedenis der Nederlandsche Bezittingen“, die auf dem Titel die Verfasser verschwiegen, zu veröffentlichen. Nur mit Unterstützung des Ministers der Kolonien gelang es, den Widerstand zu überwinden „von Personen, die seit ein paar Dutzend Jahren gewöhnt sind, alle Früchte naturwissenschaftlicher Reisen in Niederländisch-Indien, welche auf Kosten der Regierung unternommen wurden, als ihr Eigentum zu betrachten“.[20]

Mevrouw Franz Wilhelm Junghuhn geb. Johanna Louisa Frederica Koch (* 25. Januar 1828 in Bergen op Zoom, † 7. Mai 1914 in Den Haag).

Am 23. Januar 1850 heiratete Junghuhn die in Leiden wohnhafte 22-jährige Offizierstochter Johanna Louisa Frederica Koch. Am 30. September 1852 nahm er die niederländische Staatsbürgerschaft an. Es schlossen sich ausgedehnte Reisen in fast alle Länder Nord– und Mitteleuropas an, in die Pyrenäen, in die Alpen, nach Schweden und in den Kaukasus. Veröffentlichungen hierüber existieren nicht: Viel zu sehr war Junghuhn mit der Fertigung einer großen Java-Karte beschäftigt, die er im Schlusskapitel seines Java-Werks bereits in Aussicht gestellt hatte.

Im Mai 1855 war diese Karte vollendet. Ihr Titel: Kaart van het Eiland Java. ... door Dr. F. Junghuhn. Te zamengesteld uit de waarnemingen en opmetingen door hem gedaan gedurende zijne onderzoekings reizen op dat eiland in de jaren 1835 tot 1848. Op steen gebragt te Breda bij A. J. Bogaerts 1855. Schaal van 1: 350000.

Drei Jahre lang arbeitete Junghuhn an der Zeichnung dieser Karte. Mit plastischer Reliefdarstellung wurde sie in vier großen Blättern vom Stein gedruckt. Die Gesamtgröße dieser Karte beträgt 79 × 308 cm. Auf 16 Nebenkarten sind die bedeutendsten Berggipfel und – in Erfüllung des von Rochussen erteilten Regierungsauftrags – die an der Südküste Javas entdeckten Kohlenlager dargestellt. Unkoloriert war sie als topographische Karte, mit Flächenkolorit als geologische Karte im Handel; erstere war die bis dahin bei weitem genaueste, letztere die erste geologische Karte Javas. Welche Wirkung in Fachkreisen das große Java-Werk nunmehr erzielte, nachdem es nicht nur mit einem prächtigen „Landschaften-Atlas“, sondern von nun an auch mit einer hervorragenden Karte ergänzt werden konnte, lässt sich heute nur schwerlich vorstellen: Ein zuvor nur unzureichend und lückenhaft bekanntes Land, überdies noch das wichtigste Kolonialgebiet der Niederlande, lag erstmals in einer vollständigen detaillierten Naturbeschreibung mit kartographisch weitgehend richtiger Darstellung vor. „Es ist dies das erste Mal in der Geschichte der Entdeckungen, dass ein Land allseitig und eingehend durchgearbeitet wurde! Und das dürfte ewig denkwürdig bleiben.“ (E. Banse).[21]

1860 erschien auf der Grundlage von Junghuhns großer Java-Karte eine vereinfachte Karte im Maßstab 1 : 2.600.000, mit der erstmals die orographisch-physikalischen Verhältnisse Javas einer breiteren Öffentlichkeit weitgehend richtig vermittelt werden konnten. Obwohl in dieser vereinfachten Karte das Gelände nur mit farbigen Höhenschichten dargestellt ist, zeigt ein Vergleich dieser Karte mit einer Reliefkarte nach Satellitenaufnahmen die Genauigkeit der Junghuhnschen Messungen.

Bearbeiten Zweiter Aufenthalt in Niederländisch-Ostindien

1855 ging Junghuhns Genesungsurlaub zu Ende. Zum Inspektor für naturkundliche Untersuchungen auf Java ernannt, kehrte er zum Jahresende mit seiner Gattin nach Java zurück. In seinem neuen Wohnsitz in Lembang, in kühler Höhenlage nördlich von Bandung, wurde am 24. August 1857 sein Sohn geboren, der als holländischer Staatsbürger die Vornamen Frans Lodewyk Christiaan erhielt.

Bearbeiten Aufzucht von Chinarindenbäumen auf Java

Chinchona calisaya

Seit 1854 betrieb die holländische Kolonialregierung auf Java den Anbau von Cinchonabäumen, deren Rinde das gegen Malaria wirksame Chinin enthält. Der deutsche Botaniker Justus Karl Haßkarl hatte im Regierungsauftrag auf nicht ganz legale Weise die ersten Cinchonapflanzen aus ihrer Heimat Südamerika nach Java gebracht und Plantagen eingerichtet. Sie verkümmerten, und Haßkarl gab 1856, gesundheitlich geschwächt, auf.

An seine Stelle als Direktor für die Cinchonapflanzungen trat Junghuhn. Auch ihm blieb der Erfolg versagt. Die Rinde der von ihm favorisierten Art Cinchona pahudiana war nicht chininhaltiger als die von Haßkarl eingeführte Cinchona calisaya. Dennoch sind Junghuhns Verdienste um die Chiningewinnung bahnbrechend. Sofort nach seiner Amtsübernahme hatte er Haßkarls Pflanzungen an die höher gelegenen schattigen Berghänge des Malabar südlich und des Tangkubanperahu nördlich von Bandung verlegt. Dieser Standortwechsel trug entscheidend dazu bei, dass Niederländisch-Ostindien zum größten Chininproduzenten der Welt aufstieg.[22][23] Der Durchbruch kam 1865, ein Jahr nach Junghuhns Tod, mit der von Charles Ledger eingeführten Art Cinchona ledgeriana.

Bearbeiten Besuch von Mitgliedern der Novara-Expedition

Junghuhn in Lembang (Selbstaufnahme 1860)

Vom 5. bis 29. Mai 1858 ankerte die österreichische Fregatte „Novara“ auf der Reede von Batavia. Der Kurs ihrer berühmt gewordenen Weltumsegelung war im wesentlichen von Alexander von Humboldts „Physikalischen und geognostischen Erinnerungen“ bestimmt. Zwei Wissenschaftler dieser Expedition, der geographisch-statistische Schriftsteller Karl von Scherzer und der Mineraloge und Geologe Ferdinand von Hochstetter, wurden am 17. Mai 1858 von Junghuhn in seinem Wohnsitz in Lembang empfangen.

Ein Brief von Ferdinand von Hochstetter an Alexander von Humboldt enthält aufschlussreiche Einzelheiten über diese Begegnung.[24] Widerlegt wird die von vielen Biographen verbreitete Darstellung, wonach Junghuhn sich zu dieser Zeit nur noch mit der Kultivierung der Chinarindenbäume beschäftigt haben soll. Fast druckfertig legte Junghuhn den Forschern der Novara-Expedition geologische, meteorologische und physikalische Manuskripte und Spezialkarten zur Vervollständigung der großen Java-Karte vor. Von geologischem Material war von besonderem Interesse eine Sammlung von fossilen Knochen und Zähnen, ausgegraben am Fuße des Gunung Murjo in einer auf Java bis dahin noch unbekannten Diluvialformation. Am Südostfuß des Gunung Galunggung untersuchte Junghuhn zum wiederholten Mal die „10.000 Hügel“, wie er sie nannte; die dabei gewonnenen neuen Erkenntnisse hielt er in Ansichts- und Profilskizzen und in einer detaillierten Karte fest.[25]

Als weitere Zeugnisse seiner Forschertätigkeit wurden von Junghuhn fotografische Aufnahmen von Landschaften und Pflanzenformationen vorgelegt. Zu seinen häufigsten Motiven zählten die Krater des Tangkubanperahu und die Chinarindenplantagen in seiner Umgebung.

Junghuhn war einer der ersten Naturwissenschaftler, die gezielt mit den Mitteln der Fotografie arbeiteten. Wie wenig zu dieser Zeit dieses neue Medium bekannt war, geht aus Hochstetters Mitteilungen an Alexander von Humboldt hervor: „Viel versprechend sind die photographischen Versuche Junghuhn's, ein neues Feld, auf das er sich geworfen hat. Ich musste staunen über die neuen Resultate, welche Junghuhn ohne alle Anleitung, fast ohne alle nothwendigen Hilfsmittel zur Zeit meines Besuches bereits erzielt hatte, und würde mich glücklich schätzen durch die Mittheilung einiger Kunstgriffe, so wie einer Anzahl erprobter Vorschriften und Recepte ...“ [26]

In seinen letzten Lebensjahren fertigte Junghuhn auch fotografische Aufnahmen aus entfernteren Gebieten an, wie beispielsweise vom Candi Dåråwati, einem Hindutempel auf dem Dieng-Plateau, und vom Gunung Kambing, einem Kalkmassiv in Zentraljava. Viele dieser Aufnahmen haben historischen Wert: Der Hindutempel ist längst eingestürzt, das Kalkmassiv fast vollständig durch Erosion abgetragen.

Das Fotoarchiv des Koninklijk Instituut voor Taal-, Land- en Volkenkunde in Leiden bewahrt eine Sammlung von Junghuhns Fotografien. Darunter befinden sich stereoskopische Bilder und Aufnahmen mit einem selbst konstruierten Fernauslöser. Einige dieser Aufnahmen befinden sich im „Gedenkboek Franz Junghuhn“ und in Nieuwenhuys und Jaquets Buch „Java’s onuitputtelijke natuur.“

Junghuhn und von Richthofen am Patengan-See

Bearbeiten Reise in Westjava mit Ferdinand Freiherr von Richthofen

Von September bis Oktober 1861 besuchte Ferdinand Freiherr von Richthofen Java. Einen Monat lang führte Junghuhn diesen erst später durch seine China-Reisen berühmt gewordenen Forscher auf einer sorgfältig gewählten Route durch den Westen der Insel. Während dieser Exkursion lehrte er dem noch jungen Geologen die vielseitigen Möglichkeiten der Beobachtung im Gelände; er legte damit in von Richthofen „den Grund zu dessen kommendem Übergang von der reinen Geologie zur vielseitigen Geographie“ (Banse).[27] Dankbar bekannte sich von Richthofen als Junghuhns bleibenden Schuldner. Das große Java-Werk fand er so trefflich, dass er zur Erweiterung der Kenntnis nichts hinzuzufügen vermochte. „Welch unendlicher Reichthum an Material, welche Fülle an mühsam errungenen Beobachtungen in diesem Meisterwerk enthalten sind, das wird erst klar, wenn man selbst einen Theil des Landes sieht und auf jedem Schritt bis in die entlegensten Gegenden nur ein Abbild jener genauen Beschreibungen erblickt“.[28]

Bearbeiten Junghuhns letzte Lebensjahre

Besuche wie diejenigen Richthofens, des Völkerkundlers Fedor Jagor, der Naturforscher der Novara-Expedition und des Schriftstellers Friedrich Gerstäcker bildeten Glanzpunkte in Junghuhns letzten Lebensjahren, die im übrigen – des Chinchona-Anbaus wegen – von Auseinandersetzungen mit Botanikern und Regierungsstellen getrübt waren. Äußerlich ging es Junghuhn glänzend: Als leitender Kolonialbeamter verfügte er über ein gutes Gehalt, was ihm einen relativ luxuriösen Lebensstil ermöglichte.

Geburtshaus vor dem Abriss. Über dem Eingang die Gedenktafel

Auf seiner Reise durch Westjava mit Ferdinand von Richthofen zog sich Junghuhn einen Dysenterieanfall zu, von dessen Folgen er sich nie wieder vollständig erholte. Zu Beginn des Jahres 1864 wurde ihm ein Genesungsurlaub in Europa bewilligt, den er wegen eines Leberabszesses jedoch nicht mehr antreten konnte. Am 20. April 1864 verschlimmerte sich sein Zustand, und am 24. April, gegen 3 Uhr morgens, starb er im Alter von 54 Jahren im Studierzimmer seines Hauses in Lembang. Unmittelbar vor seinem Tod bat er seinen Hausarzt, der an seinem Bett saß: „Kannst du das Fenster öffnen? Ich will meinen geliebten Bergen Lebewohl sagen. Ich will zum letzten Mal den Urwald sehen. Ich will die reine Bergluft noch einmal einatmen.“.[29]

Sein Grab, 1993 restauriert und von der Deutschen Botschaft in Jakarta gepflegt, wird von einem stattlichen Obelisk überragt, den seine Witwe auf eigene Kosten errichten ließ. Die Lage seiner letzten Ruhestätte, im Angesicht seines „Hausberges“ Tangkubanperahu, hat Junghuhn sich zu seinen Lebzeiten selbst festgelegt. Während sein Sohn bereits 1888 auf einer Tabakplantage in Nordsumatra verstarb, kehrte seine Witwe nach Europa zurück und überlebte ihn um fünf Jahrzehnte.

Bis heute blieb Junghuhn in ehrenvoller Erinnerung, nicht nur in den Niederlanden, sondern auch in seiner Heimatstadt. In Mansfeld wurde die Straße hinter der Sankt-Georg–Kirche, an der sein Geburtshaus einstmals stand, am 27. September 1897 in „Junghuhnstraße“ umbenannt. Am 10. Juli 1910, anlässlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstags, wurde auf Beschluss der Koninklijk Nederlandsch Aardrijkskundig Genootschap (Königlich Niederländische Gesellschaft für Erdkunde) über der Eingangstür des Geburtshauses eine Gedenktafel angebracht, in die eine Danksagung in niederländischer Sprache eingemeißelt ist. Das Geburtshaus wurde 1979 wegen Baufälligkeit abgerissen. Die Gedenktafel wurde aufbewahrt und drei Jahre später in einen am Straßenrand errichteten Steinsockel eingemauert.

Bearbeiten Mitgliedschaften und Ehrungen

  • 11.01.1837: Königliche Botanische Gesellschaft zu Regensburg
  • 03.08.1839: Leopoldina (Kaiserlich Leopoldinisch-Carolinische Deutsche Akademie der Naturforscher in Halle)
  • 10.07.1843: Genootschap van Kunsten en Wetenschappen (Gesellschaft der Künste und Wissenschaften) zu Utrecht
  • 02.11.1844: Natuurkundige Commissie (Naturkundliche Kommission) in Batavia
  • 08.06.1848: Naturforschende Gesellschaft zu Halle
  • 22.03.1849: Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissenschaften in Marburg
  • 19.07.1851 (korrespondierend): Vereeniging voor de Flora van Nederland en deszelfs Overzeesche Bezittingen (Verein für die Flora der Niederlande und dessen überseeischen Besitzungen)
  • 17.02.1852 (korrespondierend): Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië (Königlicher naturkundlicher Verein in Niederländisch-Indien) zu Batavia
  • 19.03.1853: Kaiserliche Gesellschaft der Naturforscher zu Moskau
  • 12.11.1854: Ernennung zum „Ridder in de Orde van de Nederlandse Leeuw" (Ritter im Orden des Niederländischen Löwen)
  • 14.02.1855: In Würdigung seiner wissenschaftlichen Verdienste wird Junghuhn eine goldene Schnupftabaksdose mit dem Porträt des Prinzen Frederik der Niederlande überreicht
  • 05.03.1855: Verleihung des Preußischen Roten Adlerordens 3. Klasse
  • 20.02.1856 (korrespondierend): Bataafsch Genootschap voor Experimentele Wetenschappen (Batavische Gesellschaft für experimentelle Wissenschaften) in Rotterdam
  • 28.02.1856: Koninklijke Natuurkundige Vereeniging in Nederlandsch-Indië (Königlicher naturkundlicher Verein in Niederländisch-Indien) zu Batavia
  • 13.10.1857: K. k. Geographische Gesellschaft zu Wien
  • 26.12.1858 (korrespondierend): K. k. Geologische Reichsanstalt in Wien
  • 08.04.1861: Verleihung des Goldenen Verdienst–Kreuzes mit der Krone durch den Kaiser von Oesterreich
  • 16.03.1864: Übersendung der Medaille I. Klasse der Société Impériale Zoologique d’acclimatation zu Paris.[30]

Bearbeiten Werke

Bearbeiten Bücher

Junghuhns Gesamtwerk in Wort und Bild war wissenschaftlich herausragend. Überschwenglich äußerte sich hierzu Karl Helbig, einer der besten Kenner Niederländisch-Ostindiens, in Kaysers Buch „Die berühmten Entdecker und Erforscher der Erde“: „Wer Junghuhns Bücher gelesen, seine Karten bewundert, sich an seinem glänzenden Stil berauscht hat, muss zu dem Urteil kommen, dass es sich um einen ganz seltenen universalen Kenner wichtiger Erdräume und um eine begnadete Vereinigung von Forscher und Dichter gehandelt hat.“[31] Sachlicher äußerte sich Rüdiger Siebert, Autor zahlreicher Bücher zu Süd- und Südostasien und lange Jahre Leiter des indonesischen Programms der „Deutschen Welle“, in seinem Buch „Deutsche Spuren in Indonesien“: „Wer in seinen Büchern liest, staunt auch als Laie darüber, was ein einzelner Mann erforscht, erwandert, entdeckt hat zu Zeiten, da ein solcher Pionier ganz auf sich allein gestellt war, kaum über Hilfsmittel verfügte und sich auf keinen Apparat eines Instituts, einer Universität oder gar auf ein hochdotiertes Forschungsprogramm stützen konnte.“[32]

Von seinen Büchern werden deshalb nicht nur die Titel genannt, sondern dieselben auch inhaltlich betrachtet.

Bearbeiten Topographische und naturwissenschaftliche Reisen durch Java,

von Dr. Friedrich [falsch; richtig: Franz] Junghuhn, Mitglied der Kaiserl. Leopold.=Carol. Akademie der Naturforscher. Für die Kaiserl. Leopold.=Carol. Akademie der Naturforscher zum Druck befördert und bevorwortet durch Dr. C. G. Nees von Esenbeck, Präsidenten der Akademie. Mit einem aus 38 Tafeln und zwei Höhenkarten bestehenden Atlasse. Magdeburg, 1845. Verlag von Emil Baensch. In Rotterdam bei A. Baedeker. In Amsterdam bei J. Müller. X, 518 S., ein nicht nummeriertes Blatt (Druckfehler und Verbesserungen). 8°.

Dazu ein Tafelband: Topographischer und naturwissenschaftlicher Atlas zur Reise durch Java [weitere Titelei wie vor]. Enthaltend: 38 lithographirte Tafeln und 2 Höhen-Karten. [Verlagsangaben wie vor]. 5 nicht nummerierte Blätter [1 Blatt Titel und 4 Blatt „Erklärungen der Tafeln des Atlasses zu Junghuhn’s Reisen durch Java.“, 3–spaltig], 38 lithographische Tafeln (darunter sieben Ansichten, die – ebenso wie alle anderen Tafeln – in Schwarzdruck und nur in wenigen Exemplaren handkoloriert herausgegeben wurden) und 2 mehrfach gefaltete lithographische Höhenkarten (mit einem Längsprofil und drei Querprofilen der Insel Java). Quer-Folio.[33]

Nach Henze ist dieses Werk „die lehrreichste und anschaulichste geographische Reisebeschreibung von Java, die erste überhaupt, die die begriffliche und bildliche Vorstellung der Insel scharf hat prägen können“.[34]

Schon in der Schilderung seiner Überfahrt von Holland nach Batavia erkennt man in Junghuhn einen außergewöhnlich begabten Beobachter der Naturerscheinungen. Historisch interessant ist seine Beschreibung des alten Batavia, von dessen einstigem Glanz in den hafennahen Vierteln nur verfallene und überwucherte Ruinen geblieben waren. Die Beschreibungen der Umgebungen von Jogjakarta, des Tausendgebirges und der zweimaligen Besteigung des tätigen Vulkans Merapi wurden an Gründlichkeit und Anschaulichkeit bis heute nicht wieder erreicht. „Sein Blick greift mit letzter Schärfe die Hang- und Kraterformen ab, hält jede Einzelheit des Pflanzenbestandes fest, die leisesten Veränderungen im Landschaftsbild, die ständig wechselnden Aussichten. Seine Eindrücke übergibt Junghuhn frisch und allabendlich seinem Tagebuch.“[35] In Begleitung Dr. Fritzes besuchte Junghuhn die Wynkoops-Bai an der Südküste Javas, erstieg fast alle Vulkane dieser Insel und untersuchte auch Erscheinungen vulkanischen Ursprungs wie beispielsweise den Kratersee Telaga Bodas. Ein Höhepunkt seiner „Reise durch die östlichen Provinzen“ war die Untersuchung des Tengger- („Tingger-“) Gebirges mit dem tätigen Bromo.

Im Jahr 1836 schrieb Junghuhn an seinen Koblenzer Freund Philipp Wirtgen: „Ich lasse es mir besonders angelegen sein, Naturschilderungen zu entwerfen, bei denen mir Herrn A. von Humboldts Ansichten der Natur als, freilich unerreichbares, Muster dienen. Ich bemühe mich darin, das Eigenthümliche Javanischer Landschaften nach allen Richtungen hin aufzufassen und besonders die Physiognomie der Vegetation, von den Palmenwäldern der Dörfer, die Bambusgebüsch umzäumt, bis zu den Casuarinenwäldern des Merapi oder der Schlingvegetation des Gunung Kambing, die gleich einem Teppich die höchsten Felsen umrankt, dar zu stellen.[36] Mit dieser anspruchsvollen Zielsetzung entstand der letzte Abschnitt „Streifzüge durch die Waldgebirge G. Panggerango, Manellawangie und Gede“, der gemeinsam mit den angehängten meteorologischen Beobachtungen als ein mustergültiges Beispiel für eine gründliche Landschaftsbeschreibung gilt.

Auszüge aus diesem Werk in: Die Insel der Vulkane. Reisen und Wanderungen durch Java. VEB Brockhaus, Leipzig 1950. 193 Seiten. Mit 1 Kartenskizze und 52 Textzeichnungen. – 8°.

Bearbeiten Die Battaländer auf Sumatra.

Ansicht des Dorfes Gudarim baru („Die Battaländer …“, 1. Band)
Faksimile-Tafel einer Batta-Handschrift, entnommen aus einem auf Baumrinde geschriebenen Buch („Die Battaländer …“, 2. Band)

Im Auftrage Sr. Excellenz des General-Gouverneurs von Niederländisch-Indien Hrn. P. Merkus in den Jahren 1840 und 1841 untersucht und beschrieben von Franz Junghuhn. Aus dem holländischen Original übersetzt vom Verfasser. Berlin, Druck und Verlag von G. Reimer. 1847.[37] 2 Bände, 8°.

Band 1: Erster Theil. Chorographie. VIII, 300 S. Mit 10 lithographierten Tafeln: 6 mehrfach gefalteten tlw. zusammensetzbaren Karten, 3 Tafeln mit Ansichtsskizzen und einem „Situationsplan“ sowie 1 doppelblattgroße lithographische Tafel „Ansicht des Dorfes Gudarim baru und der umgebenden Gebirge in den Battaländern (Landschaft Hurung.)“.

Band 2: Zweiter Theil. Völkerkunde. X, 388 S., 1 nicht nummeriertes Blatt. Mit 9 lithographischen Tafeln: 8 (1 doppelblattgr.) Tafeln Faksimiles der Battaschrift und eine mehrfach gefaltete Tafel „Das Batta-Alphabet“.

Auch wenn dieses Werk nicht vollendet wurde – es fehlen die im Band 1 erwähnten geologischen, klimatischen und botanischen Ergebnisse – blieb es bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die wichtigste Quelle über die südlichen Batak-Länder. Noch im Jahre 1909 wertete Wichmann die „Battaländer“ zwar als veraltet, doch fehle es an einem Werk, das sich demjenigen Junghuhns an die Seite stellen lasse.[38]

Der erste Teil (Chorographie) beginnt mit einer topographischen Übersicht Sumatras, unterstützt von Ansichts- und Profilskizzen. Als Erster beschrieb Junghuhn die über weite Strecken parallel hintereinander gestaffelten Bergzüge Westsumatras, die große teilweise trogartige Längstäler einfassen. Junghuhn hat damit „dasjenige geographische Bild dieser merkwürdigen Insel gezeichnet, welches für allezeit gewissermaßen den Grundplan für ihre wissenschaftliche Betrachtung abgeben wird.[19] Am gründlichsten wurden die Provinzen Tapanuli, Silindong, Sipirok und Angkola erforscht; ihre Beschreibung umfasst mehr als vier Fünftel des Bandes. Den Tobasee konnte Junghuhn zwar nicht erreichen, jedoch lieferte er aus einer sorgfältig gewählten Auswahl von einheimischen Informationen die ersten sich später als zutreffend erwiesenen Nachrichten über diesen See. Seine Feldmessungen erhoben ihn zum Begründer der Triangulation Sumatras. Von den beigegebenen Karten sind diejenigen über die nördlichen Gebiete am wertvollsten, da sie ausschließlich auf seine eigenen Feststellungen beruhen und bis dahin noch unbekannte Gebiete darstellen; für die Karten über die südlicheren Gebiete wurden auch Ergebnisse anderer Forscher herangezogen.

Die Beschreibung der „Battaer“ (Batak) im zweiten Band wurde von Ratzel als „mustergültig" bezeichnet.[19] Es ist ein verdienstvoller, aber nicht in allen Teilen gelungener Versuch, ein umfassendes und vollständiges Bild zu liefern: Über Rasse, Ursprung und Abstammung, Dörfer, Häuser und Hausgeräte, Alltagsleben, Kleidung und Schmuck, Regierungsform, Verfassung und politische Verhältnisse, Sitten und Gebräuche, Einrichtungen und Gesetze, Sklaverei und Kannibalismus, Kriegführung und dessen Ursachen und Folgen, Ergötzungen, Spiele und Musik, Kulturpflanzen und Haustiere, Handel und Industrie und über das psychische Leben dieses Volkes. Als die hervorstechendsten Eigenschaften der Battaer werden Spielsucht, Rachsucht und Grausamkeit, aber auch Gastfreiheit, Gutmütigkeit und Offenherzigkeit genannt. Ein Rückblick auf die Battaer und eine „vergleichende Uebersicht der Nationen des Sunda-Archipels“ bilden den Schluss.

Stets war Junghuhn darauf bedacht, sich auf gleichem Niveau mit den Battaern zu stellen und nicht als überheblicher Kolonialbeamter aufzutreten. Nur auf diese Weise, so glaubte er, sei er am besten im Stande gewesen, „… dieses Volk in einer größeren Nähe zu betrachten und dessen wahres Kolorit ungeschminckt und ungetrübt zu erkennen.“[39]

Junghuhn gebührt das hoch anzurechnende Verdienst, die bis dahin ausführlichste Darstellung der Battaer geliefert zu haben. Von seinen Nachfolgern aber wurde er zum Teil heftig kritisiert: Infolge mangelhafter Sprachkenntnisse wurde vieles von Junghuhn falsch interpretiert, was er aus Gesehenem und Gehörtem zusammengetragen hatte. Das „Gedenkboek Franz Junghuhn. 1809–1909.“ enthält eine ausführliche Buchbesprechung von Wilhelm Volz. Darin heißt es im letzten Satz: „Wenn wir auch dem Buch nicht immer unsere einwandfreie Anerkennung schenken können und manchmal an seinem wissenschaftlichen Wert Kritik üben müssen, es bleibt eine Leistung, die für sich allein genügen würde, Junghuhn einen Platz unter den besten Erforschern des malaiischen Archipels dauernd zu sichern.[40]

Bearbeiten Java seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart.

Von Franz Junghuhn. Nach der zweiten, verbesserten Auflage des holländischen Originals in's Deutsche übertragen von J. K. Hasskarl. 1. Auflage: Leipzig, Arnoldische Buchhandlung. 1852 (1. Band) und 1854 (2. und 3. Band). 2. (unveränderte) Auflage: Leipzig, Arnoldische Buchhandlung. 1857. 3 Bände, 8°.

Band 1: Erste Abtheilung. Die Gestalt und Bekleidung des Landes. 8 nicht nummerierte Seiten, VI Seiten Inhaltsübersicht, S. (9)–483. Mit einem doppelblattgroßen Titelbild in Farblithographie („Gunung-Lamongan am 5ten Juli 1838“), einer xylographischen Titelvignette, 12 Höhenprofilen auf 6 mehrfach gefalteten lithographischen Tafeln und 52 xylographischen Textabbildungen.

Band 2: Zweite Abtheilung. Die Vulkane und vulkanischen Erscheinungen. XII, 964 S. Mit 39 meist mehrfach gefalteten lithographischen Tafeln und 61 xylographischen Textabbildungen (überwiegend Profile und Kartenskizzen).

Band 3: Dritte Abtheilung. Die neptunischen Gebirge. X, 316 S. Mit 5 mehrfach gefalteten lithographischen Tafeln.

Dazu ein Tafelband in Quer-Folio:

1. Auflage: Landschaften-Atlas zu Java seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart. – Nach anderer Quelle auch mit dem Titel: „Fr. Junghuhn: Elf (lithochrom.) Landschafts-Ansichten von Java nach der Natur gezeichnet. Mit 1 (Bl.) erklärendem Texte.“ Leipzig, 1853. Arnoldische Buchhandlung.[41]

2. Auflage: Java-Album. Landschafts-Ansichten von Java. Nach der Natur aufgenommen von Franz Junghuhn. In Farbendruck ausgeführt von den Herren Winckelmann & Söhne und Gebrüder Delius in Berlin. Leipzig, Arnoldische Buchhandlung, 1856.

„Humboldt von Java“ und „Erbauer von Indien“ sind nur einige der zahlreichen Ehrenbezeichnungen, die Junghuhn nach dem Erscheinen dieses Werkes erhielt. Unzweifelhaft steht dieses Werk an der Spitze der deutschsprachigen geographischen Literatur Indonesiens, „es ist … dem Plan und Gehalt nach eines der vollendetsten Werke dieser Art, sei es über europäische oder außereuropäische Gegenden, in der deutschen oder außerdeutschen Litteratur.“ (Friedrich Ratzel).[19]

Der erste Band beginnt mit einem Vergleich der „körperlichen Gestalt der Inseln Java und Sumatra“, unterstützt von 12 „Höhenkarten“ mit Erläuterungen (Längs- und Querprofile). Um die horizontale Ausdehnung der Höhenstufen Javas zu veranschaulichen, wird die Insel stufenweise unter das Niveau des Meeresspiegels abgesenkt und die jeweils noch verbleibende Landfläche umrissen. Am wertvollsten in diesem Band ist der 350 Seiten umfassende zweite Abschnitt über das Pflanzenreich Javas, seinerzeit die umfangreichste pflanzenphysiognomische Monographie eines Tropenlandes überhaupt. Vorbildlich für zahlreiche Nachfolger Junghuhns war die vertikale Gliederung des Pflanzenreiches in eine heiße, gemäßigte, kühle und kalte Region mit der Darstellung der jeweils vorhandenen Natur- und Kulturgewächse. Wahre Köstlichkeiten für den Naturliebhaber sind die eingestreuten „örtlichen Betrachtungen“: In meisterlichen Worten verfasste regionaltypische Landschaftsbilder von kaum mehr zu überbietender Anschaulichkeit.

Längsprofil der Insel Java von West nach Ost.

Das Original ist 153 cm lang. Das Verhältnis der Länge zur Höhe beträgt 1 : 18,25. - In: Java, seine Gestalt, Pflanzendecke und innere Bauart, Band 1. - Darunter - im grauen Streifen - das gleiche Längsprofil ohne Überhöhung (Verhältnis Länge zu Höhe = 1 : 1)

Vorlage:Großes Bild/Wartung/Breite mit Einheit

Der zweite Band behandelt den Vulkanismus der Insel Java, wobei die Reiseschilderungen über den Osten der Insel aus den 1845 erschienenen „Topographischen Reisen“ teilweise unverändert übernommen worden sind. 45 Vulkane wurden von Junghuhn erstiegen, einige zum ersten Mal. Dem Leser werden die klimatischen Veränderungen mit zunehmender Höhe, die allmählichen Übergänge in Flora und Fauna, die Beschaffenheit des Bodens und die Neigung der Hänge mit ihren divergierenden Rippen in kleinsten Nuancen dargelegt. Die Beschreibungen der aktiven Vulkane waren so genau, dass sie den Wissenschaftlern des Vulkanologischen Dienstes von Niederländisch-Indien für die Feststellung von Veränderungen nach erneuten Eruptionen als wichtige und oft einzige Quellen dienten. Die Geschichte ihrer Ausbrüche, soweit sie sich aus alten Berichten erfassen ließ, wurde mit größtmöglicher Vollständigkeit abgehandelt. Vorangegangene Untersuchungen anderer Forscher sind korrekt mit Namen und Datum genannt. Eingehend widmete sich Junghuhn auch den Solfataren, Schlammquellen, Stickgrotten und anderen „Erscheinungen, die mit den Vulkanen in ursächlichem Zusammenhang stehen.“ Mit dem Ziel, den Vulkanismus des Malaiischen Archipels vollständig darzustellen, hat Junghuhn auch alle ihm aus mündlichen und schriftlichen Quellen bekannt gewordenen Vulkane außerhalb Javas in sein Werk aufgenommen. Die nach Berichten von Sir Stamford Raffles verfasste Schilderung des 1815 erfolgten Ausbruchs des Tambora verdient hier besonders erwähnt zu werden.

Der dritte Band befasst sich mit geologischen Themen. Hervorzuheben ist die Klassifizierung der Landformen in „Zwölf Typen von Land- und Bergbildung“, die Studien über die Bildung der Täler und alten Seebecken sowie der posttertiären und jetzigen Formationen und deren ständigen Veränderungen durch die unablässig wirkenden Kräfte der Natur. Als Erster hat Junghuhn nachweisen können, dass Java nicht ausschließlich aus vulkanischem Material besteht, wie seinerzeit allgemein angenommen worden war. Seine Feststellung, dass mehr als 3/5 dieser Insel dem Tertiär angehört, wurde erst 34 Jahre später von den Geologen R. Vennema und R. D. M. Verbeek im wesentlichen bestätigt.[42]

Das Werk wird ergänzt durch die 1855 veröffentlichte Java-Karte. Darüber hinaus bezieht sich Junghuhn an zahlreichen Stellen auf den 1854 veröffentlichten „Catalog der geologischen Sammlung von Java“, der einen Teil seiner Gesteins- und Fossiliensammlungen enthält.

Bearbeiten Rückreise von Java nach Europa

mit der sogenannten englischen Überlandpost im September und October 1848 von Franz Junghuhn. Aus dem Holländischen übertragen von J. K. Hasskarl. Mit 4 Ansichten und 2 Karten. Leipzig, Arnoldische Buchhandlung. 1852. 3 nicht nummerierte Blätter (Titel, Vorwort, Inhalt), 186 S. Mit 4 farbig lithographierten Tafeln, zwei Textabbildungen und zwei mehrfach gefalteten lithographischen Tafeln. 8°.[43]

Am 28. August 1848, gesundheitlich geschwächt nach mehr als zweimonatigem Warten im heißen Batavia, begab sich Junghuhn an Bord des Kriegsdampfers „Etna“, der am darauffolgenden Morgen nach Singapur abging. Entlang den „Tausend-Inseln“ und der Südostküste Sumatras wurde zunächst Muntok auf Bangka angelaufen. Ab Singapur verlief die Reise über Aden nach Suez und von dort mit der „englischen Überlandpost“ nach Kairo. Im Hafen von Alexandria ging Junghuhn an Bord des deutschen Dampfschiffes „Germania“, das am 28. Oktober, auf den Tag genau zwei Monate nach seiner Abfahrt von Batavia, auf der Reede von Triest vor Anker ging. Nach einer gefahrvollen mehrtägigen Postkutschenfahrt über tief verschneite Alpenpässe wurde am 6. November 1848 Salzburg erreicht. In München, wo Junghuhn am 9. November erstmals in seinem Leben eine Eisenbahn sah, endet seine Reisebeschreibung; seine Heimkehr nach Mansfeld hat er nicht erwähnt.

„Auch in dieser anspruchslosen Erzählung verleugnet sich der scharf beobachtende Naturforscher und der formgewandte Darsteller auf keiner Seite. Das Werkchen gewinnt gerade dadurch ein besonderes Interesse, daß man erkennt, wie Beobachten und Schildern dem natur- und schriftkundigen Mann gleichsam zur Nothwendigkeit geworden war.“

Friedrich Ratzel[19]

Bearbeiten Licht- und Schattenbilder aus dem Innern von Java.